Hygiene auf und neben der Matte

Was jeder BJJ-Kämpfer wissen muss

Brazilian Jiu-Jitsu ist ein Kontaktsport im wahrsten Sinne des Wortes. Du trainierst eng mit deinen Partnern, oft mit direktem Hautkontakt

Hygiene auf und neben der Matte: Was jeder BJJ-Kämpfer wissen muss

Brazilian Jiu-Jitsu ist ein Kontaktsport im wahrsten Sinne des Wortes. Du trainierst eng mit deinen Partnern, oft mit direktem Hautkontakt, auf einer Matte, die täglich von vielen Athleten benutzt wird. Genau das macht BJJ so ehrlich, intensiv und direkt – aber auch zu einem Sport, bei dem Hygiene keine Nebensache ist.

Wer regelmässig sparing macht und rollt, trägt Verantwortung. Für die eigene Gesundheit. Für die Trainingspartner. Für die ganze Akademie.

Sauberkeit im BJJ ist keine Eitelkeit. Sie ist Respekt. Und nein: Ein Rashguard wird nicht dadurch wieder sauber, dass man es über Nacht auslüften lässt und optimistisch daran riecht.

Warum Hygiene im BJJ kein Nebenthema ist

Grappling-Sportarten bringen ein erhöhtes Risiko für Hautinfektionen mit sich. Der Grund ist einfach: enger Körperkontakt, Schweiss, Reibung, kleine Hautverletzungen und gemeinsam genutzte Oberflächen schaffen Bedingungen, in denen sich Bakterien, Pilze und Viren leichter verbreiten können.

Die gute Nachricht: Viele Probleme lassen sich vermeiden. Nicht durch komplizierte Massnahmen, sondern durch konsequente Routinen.

Hygiene im BJJ beginnt nicht erst, wenn etwas sichtbar ist. Sie beginnt vorher – mit sauberer Ausrüstung, gesunder Haut, kurzen Nägeln und der Entscheidung, nicht krank oder mit verdächtigen Hautstellen zu trainieren.

Die häufigsten Hautinfektionen im BJJ

Du musst kein Mediziner sein. Aber du solltest wissen, worauf du achten musst.

Ringelflechte / Tinea / „Ringworm“
Eine Pilzinfektion, die oft als ringförmige, gerötete, schuppige oder juckende Hautstelle sichtbar wird. Sie kann durch direkten Hautkontakt, gemeinsam genutzte Gegenstände oder kontaminierte Oberflächen übertragen werden.

Impetigo / Borkenflechte
Eine bakterielle Hautinfektion, häufig erkennbar an nässenden Stellen oder honiggelben Krusten. Sie ist ansteckend und sollte ärztlich abgeklärt werden.

Staphylokokken-Infektionen, inklusive MRSA
Staphylokokken können Hautinfektionen verursachen, die wie rote, schmerzhafte Pusteln, Furunkel oder Abszesse aussehen können. MRSA ist eine antibiotikaresistente Variante und gehört nicht in die Kategorie „mal schauen, ob es weggeht“. Bei Verdacht: Training pausieren und ärztlich abklären lassen.

Herpes gladiatorum
Eine durch Herpes-simplex-Viren verursachte Infektion, die besonders aus Ring- und Grappling-Sportarten bekannt ist. Typisch sind kleine, schmerzhafte Bläschen oder wunde Hautstellen, oft im Gesicht, am Kopf, Hals oder Oberkörper.

Wichtig: Dieser Abschnitt dient der Orientierung, nicht der Diagnose. Wenn du eine ungewöhnliche Hautveränderung bemerkst, geh zur Ärztin oder zum Arzt – und nicht ins Training.

Auf der Matte: Hygiene während des Trainings

Sauberer Gi und Rashguard – jedes Mal.
Dein Gi gehört nach jeder Einheit in die Wäsche. Dasselbe gilt für Rash-Guard, Spats und Shorts. Am besten auch immer ein Rash-Guard auch unter dem Gi tragen, das Schaft eine zusätzliche Barriere.

Ein zweites Mal getragene Trainingskleidung ist keine Sparsamkeit, sondern ein Hygieneproblem.  Dein Trainingspartner sollte gegen deine Technik kämpfen, nicht gegen den Geruch deiner Ausrüstung.

Kurze, saubere Nägel.
Lange Finger- und Fussnägel verletzen Trainingspartner und sammeln Schmutz. Schneide sie regelmässig kurz. Das ist Basic. Wer das nicht ernst nimmt, respektiert seine Trainingspartner nicht.

Wunden sauber abdecken.
Kleine Schnitte oder Schürfwunden sollten sauber und sicher abgedeckt werden. Offene oder nässende Wunden gehören nicht auf die Matte. Sie sind eine Eintrittspforte für Keime – für dich und für andere.

Nicht barfuss von der Matte zur Toilette.
Sobald du die Matte verlässt, ziehst du Schlappen an. Besonders auf dem Weg zur Toilette oder durch die Umkleide. Alles, was du draussen mit den Füssen aufnimmst, bringst du sonst zurück auf die Matte.

Kein Teilen von Handtüchern, Rasierern oder Kleidung.
Was direkt mit Haut, Schweiss oder Wunden in Kontakt kommt, wird nicht geteilt. Punkt.

Neben der Matte: Was nach dem Training zählt

So schnell wie möglich duschen.
Nach dem Training solltest du möglichst bald duschen. Je länger Schweiss, Schmutz und Keime auf der Haut bleiben, desto schlechter. Besonders nach intensivem Rollen ist Duschen keine Option, sondern Teil deiner Trainingsroutine.

Frisches Handtuch – jedes Mal.
Benutze für jede Einheit ein sauberes Handtuch. Teile es nicht. Lass es nicht tagelang feucht in der Tasche liegen.

Trainingstasche regelmässig reinigen.
Eine feuchte Tasche voller verschwitzter Kleidung ist ein perfekter Ort für Geruch, Bakterien und Schimmel. Leere sie nach jedem Training aus, lass sie offen trocknen und reinige sie regelmässig.

Haut kurz kontrollieren.
Nach dem Duschen reicht ein kurzer Check: neue Rötungen, Bläschen, offene Stellen, Krusten oder ungewöhnliche Hautveränderungen? Früh erkannt, lässt sich vieles schneller und unkomplizierter behandeln.

Deine Ausrüstung richtig pflegen

Gi
Nach jeder Einheit waschen. Beachte das Pflegeetikett und lass den Gi vollständig trocknen, bevor du ihn wieder benutzt und ja, auch der Gurt gehört regelmässig gewaschen. Feuchte Ausrüstung gehört nicht in die Tasche und nicht zurück auf die Matte.

Rashguard, Spats und Shorts
Ebenfalls nach jedem Training waschen. Für Sublimationsdruck und technische Stoffe ist es meist besser, die Kleidung auf links zu waschen, keinen aggressiven Weichspüler zu verwenden und sie vollständig trocknen zu lassen. Lufttrocknung schont häufig Material und Elastizität.

Schlappen
Auch Schlappen müssen gereinigt werden. Sie sind dein Schutz zwischen Umkleide, Toilette und Matte – aber nur, wenn sie selbst sauber bleiben.

Mundschutz und Tape
Mundschutz nach jeder Einheit reinigen und trocken lagern. Benutztes Tape gehört direkt in den Abfall, nicht auf den Mattenrand.

Wann du nicht trainieren solltest

Disziplin bedeutet nicht, immer aufzutauchen. Disziplin bedeutet auch, die richtige Entscheidung zu treffen.

Trainiere nicht, wenn du:

  • eine aktive oder unbehandelte Hautinfektion hast,
  • offene, nässende oder nicht sicher abdeckbare Wunden hast,
  • Fieber, starke Erkältungssymptome oder eine ansteckende Krankheit hast,
  • verdächtige Bläschen, Krusten, Abszesse oder ringförmige Hautstellen bemerkst.

Ein verpasstes Training ist kein Problem. Eine Infektion, die sich durch die Akademie zieht, schon.

Wer pausiert, um andere zu schützen, zeigt Reife. Wer krank oder mit verdächtigen Hautstellen rollt, handelt egoistisch.

Hygiene-Checkliste für BJJ

Vor dem Training

  • Finger- und Fussnägel kurz
  • Sauberer Gi oder saubere No-Gi-Kleidung
  • Wunden geprüft und sicher abgedeckt
  • Schlappen eingepackt
  • Keine verdächtigen Hautstellen
  • Eigenes Handtuch und Duschgel dabei
  • Zähne Putzen (Mundgeruch ist nicht sehr angenehm)

Nach dem Training

  • So schnell wie möglich duschen
  • Gi, Belt, Rash-Guard, Spats und Shorts waschen
  • Handtuch in die Wäsche
  • Tasche auslüften
  • Haut kurz kontrollieren
  • Mundschutz reinigen

Hygiene ist Teil des Weges

Saubere Ausrüstung, kurze Nägel, ein frisches Handtuch und der Respekt, bei Infektionsverdacht nicht zu trainieren, sind keine Kleinigkeiten. Sie sind Ausdruck derselben Disziplin, die dich auch technisch besser macht.

Wer den Weg ernst nimmt, kümmert sich um das Detail.

Auf der Matte. Neben der Matte. Jeden Tag.

Grow your way, roll your way.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Verdacht auf eine Hautinfektion oder ungewöhnliche Hautveränderung wende dich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.